Freitag, 2. April 2021

Harz: Von Herzberg nach Osterode

Wir sind wieder einmal in Norddeutschland unterwegs, allerdings im Süden Norddeutschlands. Wir machen wieder einmal eine geographische Radtour, allerdings zum ersten Mal nicht am Wasser entlang, sondern um ein Gebirge.

Das hier sind all unsere Harztouren auf dem Harzrundweg, Weser-Harz-Heide-Radweg und dem Iron Curtain Trail:
  • Ostharz: Von Ilsenburg nach Niedersachswerfen (coming soon, also vielleicht irgendwann mal)
    • Innerer Ostharz: Von Thale zur Rappbodetalsperre (coming soon)
Harz I: Der Südwesten

Zum westlichen Harz fahren kleine roten Regionalzüge der Deutschen Bahn. Schon auf dem Zugklo bekamen wir einen Vorgeschmack auf die Landschaften, die uns erwarteten.

Unser Startpunkt ist das freundliche Herzberg am Harz.

Herzberg nennt sich Esperanto-Stadt (la Esperanto-urbo), weil die künstliche Weltsprache Esperanto hier überall an Schulen und Einrichtungen unterrichtet wird und es viele Esperanto-Projekte, Esperanto-Veranstaltungen und Esperanto-Wegweiser gibt. Das liegt vor allem daran, dass der frühere Herzberger Bahnhofsvorsteher Joachim Gießner gleichzeitig Präsident der Deutschen Eisenbahner-Esperanto-Föderation war und das alles organisiert hat.

Im Süden Niedersachsens gibt es wirklich viele Welfenschlösser, die nun alle als Amtsgerichte benutzt werden. In Herzberg bauten die Welfen eins aus Fachwerk, weißer Farbe und einem Turm aus Baugerüsten. (Der Rest der Stadt besteht aus denselben Bestandteilen plus Schieferplatten.)
Andere Welfenschlösser wirken zwar auf den ersten Blick beeindruckender, aber das in Herzberg ist die größte Schlossanlage Niedersachsens, wie ich später gelesen habe.

In Herzberg sprudelt und rauscht eine Menge Wasser, und zwar nicht nur an diesem künstlichen Wasserrad.

Herzberg hat auch den Lonauer Wasserfall, den einzigen natürlichen Wasserfall im Westharz. Um ihn zu sehen, musste ich ein ganzes Stück weg vom Zentrum radeln und einem Pfad durch den Wald folgen.
Die Lonau rauscht hier zehn Meter über die steile Felsenplatte nach unten.

Ein paar Meter weiter mündet die Lonau in die Sieber. (Die Sieber fließt in die Oder, die Oder in die Ruhme, die Ruhme in die Leine und wie es dann weitergeht für das Wasser, habe ich mir schon angeschaut.)

Hinter Herzberg folgen wir einer kleinen Straße neben der großen Hauptstraße. Die meisten Fahrzeuge fahren natürlich auf der größeren Straße, also ist das kein Problem. Diese Hauptstraße sieht aus wie eine Autobahn, aber stellenweise dürfen die Leute nur 50 fahren wegen potentieller Straßenschäden (das heißt, früher ist da mal ein Stück der Straße abgesackt und das könnte eventuell nochmal passieren). Es dürfte nur wenige Stellen in Deutschland geben, wo derart viele Fahrer geblitzt werden.

Nach einigen Kilometern hat man die Wahl: Entweder folgt man dieser Straße bis nach Osterode, das ist kürzer und etwas weniger hügelig, aber weniger idyllisch. Oder man folgt der Route des Weser-Harz-Heide-Radwegs durch die sogenannten Teufelsbäder. Das ist eine grüne Hügellandschaft, die als Weide genutzt wird.
Vermutlich heißt sie so, weil an einer Stelle tief in die Erde gebohrt wurde, um das Grundwasser zu erforschen. Ich glaube aber nicht, dass die Bohrer bis zum Teufel durchgedrungen sind, sonst wäre hier die Hölle los.

Dann kommt auch schon der erste Stadtteil von Osterode am Harz. Er heißt Leege und wurde bekannt durch eine hier gezüchtete Hühnerart, die Leegehenne.

Na gut, Scherz beiseite: Osterode ist bekannt für den Silberbergbau und sein Kornmagazin. Dort wurde Korn eingekauft, gespeichert und an die Bergleute weiterverkauft. Das war sehr clever und machte Osterode reich. (Allerdings nicht reich genug, um eine Schwimmhalle zu bauen, die beheizt wird.)

Die Altstadt von Osterode besteht aus Fachwerk, wie in den meisten Städten der Region - doch das Osteroder Fachwerk ist außerordentlich bunt.

In einem Gewand aus urigen Steinmauern fließt die Söse durch Osterode. Der Weser-Harz-Heide-Radweg verabschiedet sich hier und folgt der Söse hinauf in die Berge.
Wem das zu anstrengend ist, der muss weiter um den Harz herumfahren. Da führt zwar theoretisch auch eine Radroute entlang, der Harzrundweg.
Aber eben nur theoretisch.

Donnerstag, 1. April 2021

Querverbindung: Von Göttingen nach Herzberg

Ich wollte einmal ausprobieren, ob ich auch um ein Gebirge radeln kann und nicht nur am Wasser entlang. Die Strecke zum Gebirge hin sah allerdings auch ziemlich reizvoll aus, also sind wir zuerst bis zum Harz geradelt, und zwar auf dem Weser-Harz-Heide-Radweg. Diese Radroute ist so eine Art Querverbindung zwischen dem Weserradweg (Hann. Münden), dem Leineradweg (Göttingen), dem Eiserner-Vorhang-Radweg, dem Westharz (siehe den folgenden Text) und der Lüneburger Heide inklusive Ilmenau-Radweg (Uelzen, Lüneburg).
Zunächst macht der WHH-Radweg einen langweiligen Bogen. Er führt von Göttingen aus nach Süden auf dem Leineradweg. Bei Niedernjesa wendet sich der Weg nach Osten und führt auf straßenbegleitende Radwege und durch Vororte mit teuren Einfamilienhäusern.
Doch dann zweigt er auf einmal von der Hauptstraße ab - und wird richtig schön!
Das ist der Wendebachstausee. Er ist vor allem bei gesetzestreuen Göttingern beliebt, die nicht gegen das Badeverbot in den größeren Baggerseen verstoßen wollen und dafür auch in Kauf nehmen, von Algen erwürgt zu werden.

Einst fuhr hier eine Kleinbahn von Göttingen nach Duderstadt. Die Spuren dieser Bummelbahn sind noch nicht gänzlich verschwunden. In einem winzigen ausgestorbenen Dorf gibt es sogar noch eine Bushaltestelle, die "Bahnhof" heiß. Ganz schön paradox und irgendwie traurig.
Der WHH-Radweg hat einige Hügelketten zu überwinden, um vom einen Tal ins nächste zu kommen. Damit es nicht ganz so steil wird, nutzt er sehr geschickt solche ehemaligen Bahntrassen, zum Beispiel die hier im Bruchgrund. 

Außerdem ging es durch ein paar Dörfer und Kieswege im Wald aufwärts und dann diese wahnsinnig spektakuläre Landstraße abwärts. Wow!
Nun sind wir vom Leinetal ins Harzvorland gewechselt. Wir befinden uns im niedersächsischen Teil des Eichsfelds. Links zweigt ein Weg zum Seeburger See ab. Da hinten ist schon der Harz zu erahnen, aber erst einmal kommen wir durch Duderstadt.

Der Sage nach wurde diese Stadt von drei Brüdern gegründet, aber keinem davon wollte ein guter Name einfallen, deshalb sagte jeder: "Gib du der Stadt den Namen!"
Vor der Basilica St. Cyriakus steht eine riesige Pestsäule. Sind wir etwa in Tschechien?

Nicht ganz. Duderstadt lag zur Zeit der Hanse genau auf dem Kreuzungspunkt der Wege von Italien nach Norddeutschland und von Belgien nach Osteuropa. Davon hat die Stadt ungeheuer profitiert. Nach dem dreißigjährigen Krieg ist sie aber nicht mehr so richtig auf die Beine gekommen und Duderstadt rutschte vom Handelsknotenpunkt an den Rand. Später lag die Stadt ganz in der Nähe der Deutschen Mauer und hat heute (im Gegensatz zu anderen Orten dieser Größe in der Region) nicht einmal eine Bahnanbindung. Deshalb stoßen wir in Duderstadt auf den Europa-Radweg Eiserner Vorhang.
Deshalb wurde in der Stadt seit der Hansezeit nicht mehr viel gebaut. Das hat auch sein Gutes: Es gibt noch viel altes Fachwerk! Wobei: Davon gibt es in Hann. Münden oder Northeim sogar noch mehr. Bei Fachwerk ist die Konkurrenz in der Region halt groß.

Der Radweg führt auf erhöhten Bahndämmen weiter, sehr komfortabel. Das Logo des Weser-Harz-Radwegs ist sehr blass und unauffällig, auf einigen Schildern ist es komplett vergilbt. Dafür gibt es extra Beschilderung für Hasen und Rollstuhlfahrer.

In zunehmender Dunkelheit fuhren wir durch Rhumspringe, an der Rhume entlang, dir für mich bereits eine flüchtige Bekannte war.
Die Rhumequelle war damals noch abgesperrt und in zunehmender Dunkelheit schlecht zu erkennen, sodass sie mir eher wie eine Billigversion des Blautopfs in Blaubeurern vorkam. Um ihre wahre Schönheit zu erkennen, musste ich später noch einmal zurückkehren.

Das Problem mit Fahrradtouren im Oktober ist: Einen warmen Tag bekommt man zwar mit etwas Glück noch, aber abends fehlt meistens die eine oder andere Stunde mit Licht, um das Ziel noch im Hellen zu erreichen.
Der Radweg führt wieder auf eine ehemalige Bahnstrecke, diesmal jedoch erhöht auf einem Damm. Leider war es schon so dunkel, dass von diesem großartigem Weg kein großartiges Foto zustandegekommen ist. Aber er ist großartig, das können Sie glauben. Der Weg führt nach Herzberg am Harz, und dort geht das Gebirge richtig los.

Samstag, 12. September 2020

Samstag, 2. Mai 2020

Krakower Obersee

 Erst sechs Jahre später, da kam ich zurück
und fuhr sodann auch noch das südliche Stück.
Der Uferweg ist nur ein Pfad,
über den ich mein Fahrrad lenke.
Doch dort zu fahren ist nicht hart.

Der Aussichtspunkt hat Kirchenbänke.

Dobbin besteht aus Landwirtschaft.

Die Nebel treibt mit ihrer Kraft...


...die Wassermühle an und bewässert die Eichen
nebst 69 Aal- und Forellenzuchtteichen.

Anschließend quert sie den Krakower See.

Im Wald hier erschoss die Rote Armee
Privatförster Otto Plettner. Oje!
Er wollte nur seine Jagdwaffen verstecken.
Die Strafe der Russen darauf war: verrecken.

An der Glawer Koppel entstand Weideland
als durch Menschen 1 Meter vom See verschwand
(1 Meter an Höhe und nicht waagerecht).
Das klingt für die Umwelt erstmal eher schlecht.
Man muss jedoch nur 190 Jahre warten,
dann wird daraus ein Moor mit manch seltenen Arten.

Nach ein paar schönen Bauernhäusern geht es in den Wald.

Hier ändert nun der schöne Radweg ganz seine Gestalt
und zwang uns vor Erschöpfung bald zu einem langen Halt.
Auf Kopfsteinpflaster und Beton
ertönte ständig: Bong! Bong! Bong!
Der Weg ist nicht sehr leise,
quert Hauptstraßen und Gleise.

Wir kochten Mittag gleich am Rand
von diesem wilden Weg aus Sand.

Diese Aussichtsplattform ist niedrig und kaputt.
Außerdem war sie gefüllt mit irgendwelchem Schutt.

Die Plattform mit dem Dr.-Neubauer-Blick
gibt zwar deinem Adrenalin keinen Kick
denn sie ist sehr niedrig, dafür aber schick
und auch ziemlich breit, ja, beinahe schon dick.
Ein Ornithologe beobachtete hier
die Vögel am See und manch anderes Getier.
Er widmete sein Leben nur ihrem Schutz
und saß damals noch mangels Plattform im Schmutz.

Freitag, 1. Mai 2020

Krakower Untersee

In Krakow am See, da schläft man zu dritt
am besten im Haus mit dem Namen Lütt Hütt.
Dort tranken wir morgens ein paar Tassen Tee.
Dann radelten wir um den Krakower See.
(Der liegt in Mecklenburg und nicht in Polen,
drum wurden die Räder uns auch nicht gestohlen.)

Vorne am Ufer, an der Promenade,
war es zum Baden zu kalt. Äußerst schade!

Doch seht, was wir sechs Jahre später hier fanden:

Das älteste Freibad in Mecklenburgs Landen.
Es führt über seine Wiesen ein Weg
zum Sprungturm, zur kleinen Rutsche am Steg.

Es fehlen die Gäste durch Pandemie,
drum tummeln die Fische sich dort wie noch nie.
Sie schwimmen in Schwärmen und atmen durch Kiemen.

Die Menschen hier treffen sich gern in Ruinen.


In Krakow, da ist es ganz ruhig und friedlich,
im kalten Herbst dennoch leicht ungemütlich.

Mit geradezu steifgefrorenen Minen
entdeckten wir eingerostete Maschinen.

Etwas, wofür ich Krakow sehr lobe,
ist die historische Synagoge.
Denn derartige Gebäude gelten
im Norden Deutschlands als äußerst selten.

Sie stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Doch wurde sie, was mich leicht verwundert,
nach 50 Jahren verkauft und geschlossen,
denn die Gemeinde war einfach zu klein.
Das hat die Juden ganz sicher verdrossen,
doch musste es damals wohl einfach so sein.
Und trotzdem bestand das Gebäude noch fort,
als Turnhalle und als Veranstaltungsort.

Im nassen Wald, in Richtung Nord,
da führt ein Weg uns weiter fort...

...zum Turm auf dem Jörnberg, aus Holz und Stein.
Der Aufstieg ist kostenlos. Also hinein! 

Die Plattform dort oben ist zwar nicht so schick,
dafür gab sie uns einen See-Überblick.

Wir fuhren neben einem Wald
auf flachen Wegen aus Asphalt
mit Abstand um das blaue Wasser
und wurden dabei immer nasser.

 Wo Köcherfliegenlarven
im klaren Wasser schlafen,
wo Mikrofische schwärmen
und Sonnenstrahlen wärmen,...


...da liegt das Nebel-Durchbruchtal.
Hier steigt ein jeder vom Pedal,
weil er nun die Natur genießt,
am Fluss, welcher vom See
gemächlich Richtung Güstrow fließt
durch Bäume und durch Klee.


Und das hier ist der Teufelsstein.
Wem fällt denn so ein Name ein?

Es ging durch Felder und nach Serrahn,
wo wir die Kirche aus Backstein sahen.
Beim Friedhof-Freiluftgottesdienst (nach Covid-19-Brauch)
da saß vielleicht des Dorfes pensionierter Pastor auch.
Herr Holmer war zur Wendezeit
zum Asyl allzeit bereit,
weil er selbst Honecker verzeiht.
Nicht wenigen ging das zu weit.
Das tat er damals bei Berlin.
Später wollte er hierher ziehen.

Das Wetter war nicht gerade spitze.
Zumindest herrschte keine Hitze.
Stattdessen ergoss sich auf uns eine Flut.
Radeln im Herbst - dafür braucht man viel Mut.

Vor dem nächsten nassen Sturm
schützte uns ein Aussichtturm.

Gott hat den Krakower See so gemacht,
dass seine Form aussieht wie eine Acht.


Oben und unten liegt jeweils ein See,
beide mit einer Insel.
Das seh ich, wenn ich am Aussichtspunkt steh.
So malte es Gottes Pinsel.

Mittendrin liegt eine günstige Lücke.
Dort ist das Wasser schmal.
Darum steht da eine praktische Brücke.
(Die hat Gott nicht bezahlt.)


Wir fuhren hinüber, noch ein kurzes Stück -
schon kehrten wir wieder nach Krakow zurück.
Wir hatten die nördliche Hälfte geschafft,
sodann ist die Motivation uns erschlafft.
(Erst sechs Jahre später, da kam ich zurück,
und fuhr sodann auch noch das südliche Stück.)

Ja, trau dich und fütter die Rehe, mein Kind,
bevor wir in Krakow am Ausgangspunkt sind.

Ein Tipp: Wollt ihr nach diesem Tag
nach Linstow, und im Ferienpark
im eiskalten Erlebnisbad
an der A19 baden,
so könnte euch das schaden.
Ich sage euch: Oje!
Dann springt doch lieber ungeniert,
weil ihr dort kostenlos erfriert,
im Winter in den See.