Samstag, 3. April 2021

Innerer Harz: Von Osterode nach Langelsheim

Harz IIa: Der innere Westen

Das hier ist nicht der Harzrundweg, sondern der Weser-Harz-Heide-Radweg. Er verläuft mehr oder weniger parallel, aber schon richtig durch die Berge statt außenrum. Ich wollte einfach mal an einem Tag mit dem Rad quer durch ein Gebirge radeln, ohne ein Mountainbike, nur mit einem alten Schrottrad und bestenfalls mittelmäßiger Kondition. Das erschien mir ziemlich gewagt bis größenwahnsinnig. Also los!

Ich wollte dem Weser-Harz-Heide-Radweg durch den Westteil der Berge folgen. Also bin ich zuerst von Herzberg in die Innenstadt von Osterode geradelt. Da war es ja ganz schön, aber wo waren die Menschen? Alles war ausgestorben und geschlossen.
Ah, da sind sie ja alle. Wirklich alle. Die ganze Stadt scheint hier zu sein... verdammt, sind das viele... oje, ich muss absteigen.
Am Ortsausgang fand gerade der Stadt- und Waldlauf statt, zu dem sich sämtliche Einwohner versammelt hatten. Dieser Lauf sollte offenbar teilweise auf meiner Strecke stattfinden, wie ich den Absperrbändern und Schildern entnahm. Aber zum Glück war ich rechtzeitig da und man ließ mich noch durch.


Hinter den Menschenmassen geht es dann so richtig steil bergauf. Daran sind gar nicht so sehr die Berge schuld, sondern eine riesige grasbewachsene Mauer.

Sie begrenzt den Sösestausee. Der Radweg führt an seinem Ufer entlang und immer tiefer in die Berge hinein. Es stehen viele Bänke herum, um die Aussicht zu genießen.

Dann wird die Söse wieder schmaler. Nein, so schmal nun auch wieder nicht, das hier ist nur ein Straßengraben.
Ich fahre wieder einmal auf eine Straße.

Sie führt durch das Kaff Riefensbeek-Kamschlacken. Mein (aktueller) Radführer empfahl, sich hier mit Essen und Trinken zu stärken, denn danach soll eine längerer Durststrecke kommen. Allerdings waren die Restaurants geschlossen, verfallen oder hatten noch keine Saison. Eine Pension war auf Motorradfahrer eingestellt. Offenbar sind die meisten nicht so bekloppt, auf einem Rad ohne Motor hier hochzufahren.

Dann verlässt der Radweg die Straße. Er folgt der Söse und schraubt sich immer höher hinauf in die Berge.

Schließlich erreichte ich diese Stelle. Über mir befanden sich laut Karte die sogenannten Hammersteinklippen. Das klang durchaus sehenswert. Ich dachte, die Klippen könnte man vielleicht von unten sehen. Konnte man aber nicht. Ein Schild verriet mir, sie seien 1,1 Kilometer entfernt. Daneben führte ein steiler Pfad hinauf.
Naja, was solls, dachte ich, schloss das Rad an und stieg aufwärts.

Ich irrte eine Weile im Wald herum und entdeckte die Klippen nicht, dafür jedoch Schnee.

Irgendwann kam ich dann hoch oben an dieser Straße heraus. Verdammt! Jetzt war ich laut Karte oberhalb der Klippen. Hm, laut diesem Schild da geht es jetzt da lang zu den Klippen. Entfernung: 1,1 Kilometer. Na schön, dann wieder bergab.

Da sind sie ja! Die Hammersteinklippen bestehen aus einem Haufen spitzer Steine. Ihre Form muss den Namensgeber der Klippen wohl an Hammerköpfe erinnert haben. Ich bin lieber nicht auf den Steinen herumgeklettert. Von so einer Steinlawine möchte ich wirklich nicht begraben werden.
Einer dieser Steine (ich bin mir nicht sicher, welcher), ist der Sösestein. Unter ihm entspringt die Söse, der Fluss, dem ich hoch hinauf in den Harz gefolgt bin.
Nun musste ich wieder hinunter und raus aus dem Harz. Welchem Fluss soll ich diesmal folgen? Die Auswahl ist groß: Ganz in der Nähe liegen noch viele andere Quellen, zum Beispiel die Eisen- und Schwefelquelle. Und die Oker beginnt nicht weit entfernt.

Dieser Stein sieht aus, als sei er von einem sehr großen Hammer gespalten worden.

Zurück zum Radweg. Der schraubt sich noch weiter hinauf. Einige Motorsägen haben die Baumreihen ein wenig ausgedünnt und so für ein paar Meter eine fantastische Aussicht geschaffen.
Zwischen den Bäumen fließt Wasser in einem kleinen hölzernen Kanal. Was es wohl damit auf sich hat? Das sieht ja ganz neu aus.
Seltsamerweise war dieser Abschnitt des Weges nicht so anstrengend. Ich weiß nicht, woran das lag. Hatte der Anstieg ganz leicht abgenommen, sodass es mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist? Oder hatte sich meine körperliche Verfassung verbessert, obwohl ich Hunger hatte und die Wanderung ja auch durchaus anstrengend gewesen war?

Und wieder Straße! Moment, da soll es langgehen? Ich glaube, da hat jemand das Schild verdreht. Weil ich ein freundlicher Mensch bin, drehte ich es zurück.

Als nächstes streift der Weg den Ort Altenau. Endlich, ein Cafe! Etwas zu essen!
Zu früh gefreut: Das Cafe hatte zwar geöffnet, aber es herrschte geschlossene Gesellschaft, denn die Deutsche Bahn hatte alles für die Teilnehmer ihrer Bahn-Nostalgie-Reise gebucht.
Die Deutsche Bahn fährt auf diesen Reisen Leute mit dem Bus herum und zeigt ihnen historische Bahnstrecken, was mir ein wenig absurd erscheint. Schauen Sie mal, hier gab es früher eine Bahn und jetzt nicht mehr! Also war unser Angebot früher größer und wir sind quasi schlechter geworden! Toll, oder?

Solche historischen Strecken lassen sich doch viel besser nutzen, indem man darauf Fahrrad fährt. Die Züge damals wollten die Berge möglichst gerade und mit möglichst wenig steilen Stellen durchqueren und hatten damit ganz ähnliche Ansprüche wie ich.
Hier fuhr einst die Innerstetalbahn. Der Fluss da unten ist aber noch nicht die Innerste. Zunächst folgt der WHH-Radweg der Rotenbeek, dem Schwarzen Wasser und dem Hellertaler Graben.
Der Radweg und die Straße nutzen zwar im Prinzip dasselbe Tal, aber die Bahntrasse verläuft wesentlich höher. Der Verkehr da unten stört also überhaupt nicht.
Ganz typisch für diese Bahntrasse sind Brücken mit rostigen Gittern.

Aber aus irgendeinem Grund war die Bahntrasse trotzdem anstrengender als der Weg vorher. Dabei sah sie eigentlich nicht steiler aus.
Diese Steine haben früher bestimmt die Bahnlinie begrenzt.

Erschöpft und halb verhungert kam ich in Clausthal-Zellerfeld heraus und schlug mir im erstbesten Restaurant den Bauch voll. Danke, Restaurant Lucania!

Clausthal-Zellerfeld ist auf dieser Strecke die größte Stadt im Harz (also richtig in den Bergen, nicht am Harz) und hat eine extrem dicke Kirche, eine Technische Hochschule (früher eine Bergbauschule) und ein Bergbaumuseum. Die Stadt sieht ganz nett aus, aber die Orte am Gebirgsrand sind schöner.
Altenau, Clausthal-Zellerfeld, Lautenthal und die meisten anderen Orte waren alles Bergbaustädte und nennen sich auch noch so. Früher wurden hier Erz, Silber und Kupfer abgebaut. In Clausthal-Zellerfeld wird aber seit 1930 kein Bergbau mehr betrieben. Jetzt müssen sich die Orte von Touristen und Kurgästen ernähren.

Danach bieten sich dem Radler zwei Möglichkeiten. Der reguläre Weg führt laut Karte erst einmal nur noch bergab. Die Variante hingegen hat zwei Bergaufstellen und ist etwas abenteuerlicher, dafür gibt es dort noch eine kleine Sehenswürdigkeit zu sehen. (Das Asphalt hört bald auf.)

Gestärkt und motiviert entschied ich mich für die Variante und begutachtete den Spiegeltaler Wasserfall. Der Wasserfall verbindet zwei der Spiegeltaler Teiche. Das Flüsschen, das durch die Teiche fließt, heißt Spiegel.
Die Teiche sind ein Teil der Oberharzer Wasserwirtschaft, ebenso wie die hölzernen Gräben, die ich schon gesehen hatte. Das war ein System, das sich intelligente Bergleute ausgedacht hatten. Sie mussten das Wasser aus den Gruben rauspumpen und sammelten es dann zusammen mit Regen- und Flusswasser in einem System aus Teichen und Gräben. So hatten sie immer genug Wasser zur Verfügung und nutzen die Energie über Wasserräder, um Lasten und Menschen zu transportieren, noch mehr Wasser ins Freie zu pumpen oder in sogenannten Pochwerken das gefundene Roherz zu zerklopfen.
Die Gräben und Teiche, die es heute noch gibt, sind Weltkulturerbe und werden erhalten. Auch Gottfried Leibnitz, der berühmte Erfinder der Butterkekse des Dualsystems, hat sich viel im Oberharz aufgehalten und Sachen erfunden. Und der Oberbergrat Julius Albert hat sich hier 1834 das Drahtseil ausgedacht. Das scheint wirklich eine fruchtbare Region für Technikgenies zu sein.
Der Wasserfall ist mit fünf Metern nur halb so hoch wie der Lonauer Wasserfall in Herzberg. Dafür ist es ein "richtiger" Wasserfall, also das Wasser fällt richtig und fließt nicht nur über eine Schräge. Ich mag den Wasserfall, er ist irgendwie süß.

Die Bergstadt Wildemann sollte eher Stillemann heißen.

Hinter Wildemann geht es dann wieder auf die Trasse der Innerstetalbahn.
In Lauthental musste ich nochmal kurz auf die Straße, aber dann durfte ich zurück auf die Bahntrasse. Dort hat der Radweg einen ziemlich auffälligen Eingang (im Bild links). Da fühle ich mich direkt willkommen.

Diesmal ist die ehemalige Bahntrasse komplett asphaltiert, verläuft nicht ganz so hoch über der Straße und ist auch längst nicht so anstrengend.
Hier fließt tatsächlich die Innerste, die in der Nähe von Clausthal-Zellerfeld entspringt.

Trotzdem gibt es genau dieselbe spektakuläre Schlucht aus Felsen und umgestürzten Bäumen. Ein traumhafter Weg!

Beim Reinfahren ins Gebirge begleitete mich ein Stausee, und beim Rausfahren ebenso. Diesmal ist es der Innerstestausee. Kurz vor der Staumauer ist ein Ufo aus Beton im Wasser gelandet. Jedenfalls sah es so aus. Es wurde langsam dunkel und ich konnte es nicht mehr so gut erkennen (und noch schlechter fotografieren). In Wahrheit ist das ein Betontrichter, durch den das überschüssige Wasser abläuft. Das ist bestimmt ein interessanter Anblick, wenn man von oben reingucken könnte - was man aber nicht kann, selbst wenn zufällig einer der wenigen Tage im Jahr ist, wo der See überläuft.
Auf diesem Abschnitt bekam ich einige Regentropfen ab. Kein Wunder: Der Harz ist eine der regenreichsten Regionen Deutschlands. Das ist ja auch einer der Gründe, warum es so viele Talsperren gibt. Die Talsperren sind quasi die modernen Nachkommen der kleinen künstlichen Seen, die ich weiter oben gesehen habe.

Man könnte jetzt ganz gemütlich aus diesem Tal rausfahren und erst in Langelsheim außerhalb vom Harz rechts abbiegen. Aber nö, der Weser-Harz-Heide-Radweg sagt: Überquere noch diese steile Hügelkuppe nach Wolfshagen, bis ins Nachbartal. Da darfst du erst raus. Das ist kürzer. Na gut...
Ich hätte nun den Zug in Langelsheim nehmen können, aber ich hatte mir vorgenommen, es bis nach Goslar zu schaffen. Deshalb eilte ich in zunehmender Dunkelheit noch ein Stückchen außen am Harz entlang, um den letzten Zug in Goslar zu schaffen.

Freitag, 2. April 2021

Harz: Von Herzberg nach Osterode

Wir sind wieder einmal in Norddeutschland unterwegs, allerdings im Süden Norddeutschlands. Wir machen wieder einmal eine geographische Radtour, allerdings zum ersten Mal nicht am Wasser entlang, sondern um ein Gebirge.

Das hier sind all unsere Harztouren auf dem Harzrundweg, Weser-Harz-Heide-Radweg und dem Iron Curtain Trail:
  • Ostharz: Von Ilsenburg nach Niedersachswerfen (coming soon, also vielleicht irgendwann mal)
    • Innerer Ostharz: Von Thale zur Rappbodetalsperre (coming soon)
Harz I: Der Südwesten

Zum westlichen Harz fahren kleine roten Regionalzüge der Deutschen Bahn. Schon auf dem Zugklo bekamen wir einen Vorgeschmack auf die Landschaften, die uns erwarteten.

Unser Startpunkt ist das freundliche Herzberg am Harz.

Herzberg nennt sich Esperanto-Stadt (la Esperanto-urbo), weil die künstliche Weltsprache Esperanto hier überall an Schulen und Einrichtungen unterrichtet wird und es viele Esperanto-Projekte, Esperanto-Veranstaltungen und Esperanto-Wegweiser gibt. Das liegt vor allem daran, dass der frühere Herzberger Bahnhofsvorsteher Joachim Gießner gleichzeitig Präsident der Deutschen Eisenbahner-Esperanto-Föderation war und das alles organisiert hat.

Im Süden Niedersachsens gibt es wirklich viele Welfenschlösser, die nun alle als Amtsgerichte benutzt werden. In Herzberg bauten die Welfen eins aus Fachwerk, weißer Farbe und einem Turm aus Baugerüsten. (Der Rest der Stadt besteht aus denselben Bestandteilen plus Schieferplatten.)
Andere Welfenschlösser wirken zwar auf den ersten Blick beeindruckender, aber das in Herzberg ist die größte Schlossanlage Niedersachsens, wie ich später gelesen habe.

In Herzberg sprudelt und rauscht eine Menge Wasser, und zwar nicht nur an diesem künstlichen Wasserrad.

Herzberg hat auch den Lonauer Wasserfall, den einzigen natürlichen Wasserfall im Westharz. Um ihn zu sehen, musste ich ein ganzes Stück weg vom Zentrum radeln und einem Pfad durch den Wald folgen.
Die Lonau rauscht hier zehn Meter über die steile Felsenplatte nach unten.

Ein paar Meter weiter mündet die Lonau in die Sieber. (Die Sieber fließt in die Oder, die Oder in die Ruhme, die Ruhme in die Leine und wie es dann weitergeht für das Wasser, habe ich mir schon angeschaut.)

Hinter Herzberg folgen wir einer kleinen Straße neben der großen Hauptstraße. Die meisten Fahrzeuge fahren natürlich auf der größeren Straße, also ist das kein Problem. Diese Hauptstraße sieht aus wie eine Autobahn, aber stellenweise dürfen die Leute nur 50 fahren wegen potentieller Straßenschäden (das heißt, früher ist da mal ein Stück der Straße abgesackt und das könnte eventuell nochmal passieren). Es dürfte nur wenige Stellen in Deutschland geben, wo derart viele Fahrer geblitzt werden.

Nach einigen Kilometern hat man die Wahl: Entweder folgt man dieser Straße bis nach Osterode, das ist kürzer und etwas weniger hügelig, aber weniger idyllisch. Oder man folgt der Route des Weser-Harz-Heide-Radwegs durch die sogenannten Teufelsbäder. Das ist eine grüne Hügellandschaft, die als Weide genutzt wird.
Vermutlich heißt sie so, weil an einer Stelle tief in die Erde gebohrt wurde, um das Grundwasser zu erforschen. Ich glaube aber nicht, dass die Bohrer bis zum Teufel durchgedrungen sind, sonst wäre hier die Hölle los.

Dann kommt auch schon der erste Stadtteil von Osterode am Harz. Er heißt Leege und wurde bekannt durch eine hier gezüchtete Hühnerart, die Leegehenne.

Na gut, Scherz beiseite: Osterode ist bekannt für den Silberbergbau und sein Kornmagazin. Dort wurde Korn eingekauft, gespeichert und an die Bergleute weiterverkauft. Das war sehr clever und machte Osterode reich. (Allerdings nicht reich genug, um eine Schwimmhalle zu bauen, die beheizt wird.)

Die Altstadt von Osterode besteht aus Fachwerk, wie in den meisten Städten der Region - doch das Osteroder Fachwerk ist außerordentlich bunt.

In einem Gewand aus urigen Steinmauern fließt die Söse durch Osterode. Der Weser-Harz-Heide-Radweg verabschiedet sich hier und folgt der Söse hinauf in die Berge.
Wem das zu anstrengend ist, der muss weiter um den Harz herumfahren. Da führt zwar theoretisch auch eine Radroute entlang, der Harzrundweg.
Aber eben nur theoretisch.

Donnerstag, 1. April 2021

Querverbindung: Von Göttingen nach Herzberg

Ich wollte einmal ausprobieren, ob ich auch um ein Gebirge radeln kann und nicht nur am Wasser entlang. Die Strecke zum Gebirge hin sah allerdings auch ziemlich reizvoll aus, also sind wir zuerst bis zum Harz geradelt, und zwar auf dem Weser-Harz-Heide-Radweg. Diese Radroute ist so eine Art Querverbindung zwischen dem Weserradweg (Hann. Münden), dem Leineradweg (Göttingen), dem Eiserner-Vorhang-Radweg, dem Westharz (siehe den folgenden Text) und der Lüneburger Heide inklusive Ilmenau-Radweg (Uelzen, Lüneburg).
Zunächst macht der WHH-Radweg einen langweiligen Bogen. Er führt von Göttingen aus nach Süden auf dem Leineradweg. Bei Niedernjesa wendet sich der Weg nach Osten und führt auf straßenbegleitende Radwege und durch Vororte mit teuren Einfamilienhäusern.
Doch dann zweigt er auf einmal von der Hauptstraße ab - und wird richtig schön!
Das ist der Wendebachstausee. Er ist vor allem bei gesetzestreuen Göttingern beliebt, die nicht gegen das Badeverbot in den größeren Baggerseen verstoßen wollen und dafür auch in Kauf nehmen, von Algen erwürgt zu werden.

Einst fuhr hier eine Kleinbahn von Göttingen nach Duderstadt. Die Spuren dieser Bummelbahn sind noch nicht gänzlich verschwunden. In einem winzigen ausgestorbenen Dorf gibt es sogar noch eine Bushaltestelle, die "Bahnhof" heiß. Ganz schön paradox und irgendwie traurig.
Der WHH-Radweg hat einige Hügelketten zu überwinden, um vom einen Tal ins nächste zu kommen. Damit es nicht ganz so steil wird, nutzt er sehr geschickt solche ehemaligen Bahntrassen, zum Beispiel die hier im Bruchgrund. 

Außerdem ging es durch ein paar Dörfer und Kieswege im Wald aufwärts und dann diese wahnsinnig spektakuläre Landstraße abwärts. Wow!
Nun sind wir vom Leinetal ins Harzvorland gewechselt. Wir befinden uns im niedersächsischen Teil des Eichsfelds. Links zweigt ein Weg zum Seeburger See ab. Da hinten ist schon der Harz zu erahnen, aber erst einmal kommen wir durch Duderstadt.

Der Sage nach wurde diese Stadt von drei Brüdern gegründet, aber keinem davon wollte ein guter Name einfallen, deshalb sagte jeder: "Gib du der Stadt den Namen!"
Vor der Basilica St. Cyriakus steht eine riesige Pestsäule. Sind wir etwa in Tschechien?

Nicht ganz. Duderstadt lag zur Zeit der Hanse genau auf dem Kreuzungspunkt der Wege von Italien nach Norddeutschland und von Belgien nach Osteuropa. Davon hat die Stadt ungeheuer profitiert. Nach dem dreißigjährigen Krieg ist sie aber nicht mehr so richtig auf die Beine gekommen und Duderstadt rutschte vom Handelsknotenpunkt an den Rand. Später lag die Stadt ganz in der Nähe der Deutschen Mauer und hat heute (im Gegensatz zu anderen Orten dieser Größe in der Region) nicht einmal eine Bahnanbindung. Deshalb stoßen wir in Duderstadt auf den Europa-Radweg Eiserner Vorhang.
Deshalb wurde in der Stadt seit der Hansezeit nicht mehr viel gebaut. Das hat auch sein Gutes: Es gibt noch viel altes Fachwerk! Wobei: Davon gibt es in Hann. Münden oder Northeim sogar noch mehr. Bei Fachwerk ist die Konkurrenz in der Region halt groß.

Der Radweg führt auf erhöhten Bahndämmen weiter, sehr komfortabel. Das Logo des Weser-Harz-Radwegs ist sehr blass und unauffällig, auf einigen Schildern ist es komplett vergilbt. Dafür gibt es extra Beschilderung für Hasen und Rollstuhlfahrer.

In zunehmender Dunkelheit fuhren wir durch Rhumspringe, an der Rhume entlang, dir für mich bereits eine flüchtige Bekannte war.
Die Rhumequelle war damals noch abgesperrt und in zunehmender Dunkelheit schlecht zu erkennen, sodass sie mir eher wie eine Billigversion des Blautopfs in Blaubeurern vorkam. Um ihre wahre Schönheit zu erkennen, musste ich später noch einmal zurückkehren.

Das Problem mit Fahrradtouren im Oktober ist: Einen warmen Tag bekommt man zwar mit etwas Glück noch, aber abends fehlt meistens die eine oder andere Stunde mit Licht, um das Ziel noch im Hellen zu erreichen.
Der Radweg führt wieder auf eine ehemalige Bahnstrecke, diesmal jedoch erhöht auf einem Damm. Leider war es schon so dunkel, dass von diesem großartigem Weg kein großartiges Foto zustandegekommen ist. Aber er ist großartig, das können Sie glauben. Der Weg führt nach Herzberg am Harz, und dort geht das Gebirge richtig los.

Samstag, 12. September 2020

Samstag, 2. Mai 2020

Krakower Obersee

 Erst sechs Jahre später, da kam ich zurück
und fuhr sodann auch noch das südliche Stück.
Der Uferweg ist nur ein Pfad,
über den ich mein Fahrrad lenke.
Doch dort zu fahren ist nicht hart.

Der Aussichtspunkt hat Kirchenbänke.

Dobbin besteht aus Landwirtschaft.

Die Nebel treibt mit ihrer Kraft...


...die Wassermühle an und bewässert die Eichen
nebst 69 Aal- und Forellenzuchtteichen.

Anschließend quert sie den Krakower See.

Im Wald hier erschoss die Rote Armee
Privatförster Otto Plettner. Oje!
Er wollte nur seine Jagdwaffen verstecken.
Die Strafe der Russen darauf war: verrecken.

An der Glawer Koppel entstand Weideland
als durch Menschen 1 Meter vom See verschwand
(1 Meter an Höhe und nicht waagerecht).
Das klingt für die Umwelt erstmal eher schlecht.
Man muss jedoch nur 190 Jahre warten,
dann wird daraus ein Moor mit manch seltenen Arten.

Nach ein paar schönen Bauernhäusern geht es in den Wald.

Hier ändert nun der schöne Radweg ganz seine Gestalt
und zwang uns vor Erschöpfung bald zu einem langen Halt.
Auf Kopfsteinpflaster und Beton
ertönte ständig: Bong! Bong! Bong!
Der Weg ist nicht sehr leise,
quert Hauptstraßen und Gleise.

Wir kochten Mittag gleich am Rand
von diesem wilden Weg aus Sand.

Diese Aussichtsplattform ist niedrig und kaputt.
Außerdem war sie gefüllt mit irgendwelchem Schutt.

Die Plattform mit dem Dr.-Neubauer-Blick
gibt zwar deinem Adrenalin keinen Kick
denn sie ist sehr niedrig, dafür aber schick
und auch ziemlich breit, ja, beinahe schon dick.
Ein Ornithologe beobachtete hier
die Vögel am See und manch anderes Getier.
Er widmete sein Leben nur ihrem Schutz
und saß damals noch mangels Plattform im Schmutz.