Samstag, 6. April 2019

Steinhuder Meer

Nordwestlich von Hannover liegt das Steinhuder Meer. Das ist der größte See Niedersachsens und der (flächenmäßig) neuntgrößte See Deutschlands, außerdem der größte See Deutschlands, der nicht in Bayern oder MV (den See-Streber-Bundesländern) liegt.
Es fährt kein Zug direkt zum Steinhuder Meer. Die dichtesten Bahnhöfe liegen in Wunstorf und Neustadt am Rübenberge (am Leineradweg). Steinhude ist eigentlich ein Ortsteil von Wunstorf, insofern wäre es logischer, dort zu starten. Aber Google verriet mir, dass der Weg von Neustadt am Rübenberge trotzdem kürzer ist, und noch dazu sehr leicht zu merken. Direkt neben dem Bahnhof verläuft diese Straße, der man einfach nur folgen muss. Innerorts heißt sie Landwehr, danach Moorstraße. Und Moor gibt es dort tatsächlich nicht zu knapp, dazu jede Menge Birken. Beides ist eine passende Einstimmung auf den Steinhuder-Meer-Rundweg.
Die Wurzeln haben dem Radweg eine kuriose Form gegeben. Ein Schild warnte mich vor Radwegschäden, aber ich weiß gar nicht, ob ich das als Schaden bezeichnen würde. Man radelt wie auf einer Mini-Halfpipe immer ganz leicht hin und her und auf und ab. Das bremst zwar, aber irgendwie fühlt es sich auch witzig an.
Rechts erstreckten sich zunächst Baustellen und später große Moorflächen.

In den Fahrradkarten führt eine Variante vom Leineradweg und ebenso eine vom Weserradweg nach Steinhude, denn der See liegt ungefähr in der Mitte zwischen beiden Flüssen. Die Landkarten zeigen aber nicht den Radweg um den ganzen See, sondern nur zu einer Stelle am Ufer in Steinhude. Ich habe mir deshalb einen anderen Weg gesucht. Die Radwegfunktion von Google Maps stellt am Steinhuder Meer alle Wege sehr präzise dar, damit kommt man also gut zurecht. (Es sei denn, das Handy gibt auf halber Strecke plötzlich seinen Geist auf. Grr.)
Nach sechs Kilometern taucht links neben der Moorstraße das Steinhuder Meer auf. Ich wechselte die Straßenseite und fuhr direkt am Ufer entlang. Der Rundweg ist 32 Kilometer lang, das macht mit der Hin- und Rückfahrt also ca. 44 Kilometer.

Zunächst einmal verschaffte ich mir auf einem hölzernen Aussichtsturm einen Überblick. Dann ging ich baden, denn immerhin waren da gerade ein paar nette Sandstrände.
Als ich gefühlt schon fast in der Mitte des Sees stand, war meine Badehose immer noch nicht nass. Das Wasser war einfach zu flach. Also kehrte ich wieder um.
Am Ufer stellte eine ältere Dame die originellste und einfallsreichste Frage, die man jemandem, der im März badet, nur stellen kann: "War das nicht kalt?"
"Nö", sagte ich, "nur zu flach. Der See ist ja schön, aber man kann gar nicht richtig schwimmen."
"Nee, zum Schwimmen war das hier noch nie...", bestätigte sie. Ah ja. Das Steinhuder Meer ist also mehr so ein See zum Gucken.
Und wer sich ein bisschen umguckt, dem springt sofort ein eigentümlicher Berg am anderen Ufer ins Auge. Was es wohl damit auf sich hat? Mal sehen.

Mensch und Natur haben sich den See erstaunlich fair aufgeteilt. Das Nord- und Südufer gehören der Zivilisation. Am West- und Ostufer erstrecken sich Naturschutzgebiete.
Meine Rundfahrt begann am Nordufer. Dort befinden sich die Ortschaften Weißer Berg und Mardorf. Sie bestehen aus Campingplätzen, Strandrestaurants, Segelclubs, Spielplätzen und einer Jugendherberge. Auf den asphaltierten Uferwegen tummelten sich viele Spaziergänger, trotzdem kam ich schnell voran. Das war auch gut so. Ich hatte nämlich morgens verschlafen und so war es inzwischen schon 16 Uhr.

Auf dieser eiszeitlichen Düne wachsen Kiefern.

Nach einer Stunde hatte ich das Nordufer passiert und war schon gespannt auf die Natur am Westufer. Doch statt auf Besonderheiten der Natur stieß ich zunächst auf eine Besonderheit des Vertragsrechts.
Auf einer Weide grasten schottische Galloway-Rinder. Die werden dort bio, nachhaltig und extensiv gehalten. Eine Hinweistafel informierte mich, dass man sich ein solches Rind leasen kann. Dabei begleitet man es von der Aufzucht bis zur Schlachtung.

Die Natur ließ aber auch nicht lange auf sich warten. Am Ostufer erstreckt sich das Naturschutzgebiet der Meerbruchswiesen. Bis etwa 1980 wurde das Moor noch entwässert, damit man Landwirtschaft betreiben kann und die Wassersportler genug Wasser im See haben. Dann wurde die Entwässerung gestoppt und Niedersachsen baute einen Damm, damit trotzdem noch genug Wasser im See bleibt. Nun entsteht langsam wieder ein Moor.

Die Radwege verlaufen an den Naturschutz-Ufern weiter weg vom See. Wer einen Blick auf den See werfen will, kann das aber trotzdem machen. Denn überall am Steinhuder Meer führen Wanderwege und hölzerne Stege zu Aussichtsplattformen am Ufer. Fahrräder sind auf diesen Wegen verboten und müssen vorher abgestellt werden.
Der längste dieser Wege führt durch die Meerbruchswiesen. Unterwegs passiert er zwei Holzhütten, in denen man Vögel beobachten kann. Damit die Vögel das nicht mitkriegen, haben die Hütten keine großen Fenster, sondern nur schmale Öffnungen zum Durchgucken. Dier erste Hütte ist das Rotkehlchen-Haus...

...und die zweite zeigt den Besuchern die Gänsewiese. Dort war tatsächlich einiges los. Hier sind unter anderem Spieß-, Krick-, Knäk- und Löffelenten unterwegs.
Das Steinhuder Meer ist nämlich ein Internationales Vogelschutzgebiet und eine Raststätte für Zugvögel auf dem Weg nach Südafrika. Deswegen dürfen zwischen November und März (also auch noch dann, als ich da war) keine Wasserfahrzeuge auf dem See fahren.

Am Ende des Weges liegt dann wie gesagt noch ein hölzerner Aussichtsturm. Vermutlich gibt es in der Kommunalordnung eine Vorschrift, die besagt, dass am Steinhuder Meer mindestens alle fünf Kilometer solch ein Holzturm stehen muss. Aber ich will mich nicht beschweren, ich mag diese Dinger. Für die anderen muss man auch nicht ganz so weit laufen wie für den hier.

Von oben ist zum Beispiel die Festung Wilhelmstein zu sehen. Die Insel wurde im 18. Jahrhundert von Herzog Wilhelm als Gefängnis angelegt. Sie galt als uneinnehmbar, weil sie nur von Wasser und Moor umgeben war. Das erste deutsche U-Boot sollte sie außerdem verteidigen.
Heute ist sie komplett vom Wasser umschlossen. Man kann mit dem Schiff hinfahren, ein Museum besichtigen und in Gästezimmern übernachten.

Das Dorf Winzlar hatte einen Haufen Hinweistafeln, die mich geradezu verzweifelt zu einem Umweg überreden wollten. Machen Sie einen Abstecher in die Städte Rehburg und Loccum! Fahren Sie auf dem Dino-Radweg! Wir haben da Dino-Fußabdrücke und große Dinosaurierskulpturen!
Ging leider nicht. Es war schon fast 17 Uhr und ich hatte erst die halbe Strecke geschafft.

Hagenburg ist ein biederer Backsteinort am Fuß des weißen Bergs, der mir schon am gegenüberliegenden Ufer aufgefallen ist. Eine Firma namens S+K Kali GmbH baut dort Salze ab, die als Dünger oder Nahrungsergänzungsmittel genutzt werden. Mehr konnte ich über eine schnelle Google-Suche nicht in Erfahrung bringen. Ein Jahr später jedoch sollte ich auf dem Werratal-Radweg nähere Bekanntschaft mit diesen Salzen machen.
Damit wären wir nun am Südufer.

Der Rundweg ums Steinhuder Meer ist sehr gut ausgeschildert. Sein Symbol ist ein blauer Klecks

Eine Allee aus Rhododendron...

...führt zum Schloss Hagenburg. Rund um das Schloss zieht sich ein verwinkelter Park.

Wer sich nicht im Park verirren möchte, kann sich das Schloss auch einfach von dieser Brücke aus ansehen. Die Brücke führt unnötig steil hoch und runter, deshalb habe ich mein Rad drübergeschoben. Sie überspannt einen Stichkanal, der Hagenburg mit dem See verbindet.

Der Endspurt nach Steinhude erfolgt auf einem wunderbaren Uferweg. Fuß- und Radweg sind dort getrennt, der Radweg wird außerdem in zwei Spuren für beide Richtungen geteilt.

Steinhude empfing mich mit einem großen Parkplatz und dieser, äh, ist das eine alte Burg? Oder Kirche? Jetzt ist jedenfalls ein Restaurant drin.

Die Steinhuder tun wirklich konsequent so, als hätten sie ein Meer vor ihrer Haustür. Alles sieht richtig maritim aus, mit Restaurants, bei denen Anker und Fischernetze an der Fassade hängen und all so was. Der Ort könnte genau so auch an der Ostseeküste stehen.
Und ich meine: Was macht es schon für einen Unterschied, dass irgendwo hinten am Horizont wieder Land zu sehen ist und nicht unendliches Wasser? Antwort: Es gibt keine Wellen. Aber das ist sicherlich auch nicht allen Urlaubern so wichtig.

Ganz typisch Steinhude: Holzbrücken zum Flanieren, die Inselchen und Halbinseln verbinden.

Generell ganz typisch Steinhuder Meer (jedenfalls an der Nord- und Südküste): Segelhäfen mit Kränen, um die Boote ins Wasser zu setzen.
Im Hintergrund ist die künstliche Badeinsel von Steinhude zu sehen. Dort kann eine Familie ihr Bade-Basislager wahlweise auf Sandstrand oder Baumwurzeln aufschlagen.

Jetzt fehlt nur noch das Ostufer. Das sieht so aus. (Dieses Foto entstand, richtig, auf einem hölzernen Aussichtsturm.)

Und der Radweg am Ostufer sieht so aus. Birken! Unglaublich viele Birken!
Dieser Weg führt zurück zur Moorstraße.
Ich kenne keinen Seenradweg, der so viele Aussichtstürme, Holzstege, Holzhütten und Hinweistafeln hat.

Stege führen hinaus ins Lebendmoor und dorthin, wo einst Torf abgebaut wurde. Bis vor 50 Jahren waren hier rechteckige Löcher im Matsch, aus denen man Torfsoden stach. Mittlerweile ist etwas Gras über die Sache gewachsen. Im Sonnenuntergang leuchtet dieses Gras rot. Ein wenig sind die Löcher aber noch zu erkennen.

Danach wurde der Torf in solchen Kähnen abtransportiert. Die Leute nutzen den einst als Brennstoff. Um durch den Winter zu kommen, brauchte eine Familie etwa 10000 von den Dingern. Da musste also einiges gestochen werden.

Fazit: Wow! Das Steinhuder Moor, ähm, ich meine, Meer kann sich locker mit den Mecklenburger Seen messen. Viele übertrifft es sogar.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Langeoog

Eine Insel mit drei Dünen
und im großen grauen Watt.

Ohne Autos, ganz im Grünen,
hinten bergig, vorne platt.

Nun, wie mag die Insel heißen,
auf die es mich diesmal zog?

Mit dem weiten Strand, dem weißen?
Dieser Ort heißt Langeoog.

Wie fährt man über die Meere?
Wie kommt man vom Festland her?

Mit einer sehr teuren Fähre...



...und dem Inselbahnverkehr.
Dort kann man Gepäck aufgeben,
fast schon wie bei einem Flug,
muss mit Extrakosten leben,
darum ist das nicht sehr klug.

In der stark belebten Ortschaft
steht ein dicker Wasserturm.
Die Hotels, die kein Wind fortschafft,
sind geschützt vor jedem Sturm.
Als die Flut vor hundert Jahren
alles Trinkwasser versaut,
wird, um sich das zu ersparen,
dieser Wasserturm gebaut.

Von dem Zwanzig-Meter-Gipfel,
der sich Melkhörndüne nennt,
sieht man jeden Inselzipfel
zu fast einhundert Prozent.

Die Wellen im Schwimmbad, die waren defekt.
Die Insel aus Lego hab ich nicht entdeckt,
auch nicht, wo die Kanonenkugeln liegen
(die sollten für Napoleon einst fliegen).

Rund um das Inselbahngeleis,
da geht der Fahrradweg im Kreis.
Am Ufer gibt es statt Ostfriesen
nur laute Vögel, Salz und Wiesen.
Was ist denn das? Ein bunter Hahn?
Über den Weg fliegt ein Fasan.

Rechts in der Inselmitte liegen
ein Golfplatz und ein Platz zum Fliegen.

Am Flinthörndeich im Westen...

...da sitzt es sich am besten.
Der Deich-Bereich, das ist bekannt,
durch eine Sturmflut einst entstand,
die auf die Nachbarinsel krachte,
Ruinen von dort rüberbrachte.
Die Zeit bedeckte sie mit Sand.

Am Wäldchen bleibt die Slalomfahrt
mit Baustelle mir nicht erspart.

Das bergige Pirolatal
ist einfach nur phänomenal!

Ein Weg führt in die Ferne.
Aus grauem Stein, so glatt und fein,
schnurgeradeaus, ganz weit hinaus.
Ich folge ihm sehr gerne.

Er führt durch Dünenwelten.
zum Großen Schlopp, landschaftlich top,
wo Herbergen sich verbergen.
Und man kann dort auch zelten.

Er führt bis ganz nach Osten...

...zum Vogelhaus und weiter raus,
zur Meierei, daran vorbei...

...zum Seehundbeobachtungsposten!

Auf Ostfrieslands Insel zum Leben
kann man wirklich viel Geld ausgeben,
um sich dadurch des Lebens zu freuen
und begrüßt zu werden mit:

Samstag, 12. Mai 2018

Schaalsee

Es gab eine Zeit, da verlief mitten durch Deutschland eine Grenze. Damit man sie nicht passieren konnte, wurde eine riesige Mauer errichtet. Nur: Was, wenn die Grenze zufälligerweise mitten über einen See verläuft?
Genau das war am Schaalsee der Fall. Es handelt sich um einen der tiefsten Seen Deutschlands voller Geschichte.
Als Startpunkt des Schaalsee-Rundwegs gilt eigentlich Zarrentin, aber wir sind aus einer anderen Richtung gekommen und haben deshalb in Seedorf begonnen.

Seedorf liegt im Nordwesten des Schaalsees und ist in der Tat ein Dorf an einem See, das kann man nicht abstreiten.
Die Grundzutaten sind bei allen Dörfern am Schaalsee ziemlich ähnlich: Bauernhäuser aus Backstein und Fachwerk, Dächer aus Ziegeln oder Schilf, alte Lindenalleen und eine Feldsteinmauer vor der Kirche.
Was gibt es in Seedorf noch so? Also, da wäre eine Schmiede mit Schaukel...

...eine ganz spitze Kirche...

...und die lokale Dorfversammlung der Weinbergschnecken.

Durch eine Zeitschrift sind wir auf den Schaalsee-Rundweg aufmerksam geworden, einen Radführer dazu hatten wir diesmal nicht. Also mussten wir uns den Weg mithilfe von Wegweisern und instabilem Internet selbst zusammensuchen.
Zunächst geht es am nordwestlichen Ausläufer des Sees entlang auf eine Straße namens Zuckerhut. Der Schaalsee besteht aus vielen verbundenen Teilseen, zum Beispiel dem Küchen- oder Priestersee. Über ein paar kleine Seen und einen Kanal gibt es außerdem eine Verbindung zum Ratzeburger See.
Je nachdem, wie weit man sich vom See entfernt, ist der Rundweg 40 bis 50 Kilometer lang und insgesamt leider nicht so richtig optimal. Mit den touristisch erschlossenen Radrouten mitten in der Mecklenburger Seenplatte kann er jedenfalls nicht mithalten.
So hat man einige Steigungen zu bewältigen...

...und ist auf mal weniger stark und mal recht stark befahrenen Straßen unterwegs. Den See sieht man dabei nur sporadisch. Man kommt schnell voran, aber so richtig schön ist das nicht, wenn die Autos vorbeibrausen.

Die Alternative sind Trampelpfade durch üppige grüne Wälder und Wiesen. Das sieht schön aus, aber wirklich schnell voran kommt man da nicht.
Als einzelner Radfahrer ist das noch in Ordnung, aber mit einem Anhängsel wird es schwierig.

Dann eben zurück auf die Straße. Dort passiert man die ehemalige innerdeutsche Grenze. Von der dicken Mauer, die hier einst stand und bis zum Seeufer reichte, ist nichts mehr zu sehen. Ich habe darauf verzichtet, ins Gebüsch zu kriechen und im dornigen Gestrüpp nach Überresten zu graben.
Irgendjemand hat das Datum und die Uhrzeit des Mauerfalls auf dem Hinweisschild übergeklebt, da muss sich wohl ursprünglich ein Druckfehler eingeschlichten haben.
Streng genommen verläuft hier auch heute noch eine Grenze, nämlich die zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Kaum waren wir im Osten, haben wir auch schon die ersten Auswirkungen des Solidaritätszuschlags gesehen: Ein Radweg! So etwas sucht man auf der Westseite vergeblich.

Auf dem erreichten wir dann Zarrentin an der Südspitze des Schaalsees. Dort kann man Unkraut kaufen.

In Zarrentin wurden viele neue Gebäude errichtet, die aber gut mit dem alten Mauerwerk zusammenpassen. Die Kirche stellt das genaue Gegenteil der Seedorfer Kirche dar, sie ist alt und breit.

Alle Kirchgänger werden streng bürokratisch nach ihrem Wohnort sortiert. Jede Bank ist mit einem Dorfnamen beschriftet.

Neben der Kirche sind wir zum Wasser abgebogen, um noch eine andere Art von Weg auszuprobieren. Am Ufer geht es an Bootshütten, Stegen und Campingplätzen vorbei. Der Kiesweg hat den Nachteil, dass dort auch viele Fußgänger unterwegs sind, die man nicht überfahren darf.

Der Schaalsee hat eine stark zergliederte Struktur aus kleinen Teilseen, großen Inseln und ein paar vollständig abgetrennten Seen ganz in der Nähe. Die Grenze verläuft im Zickzack quer über den Schaalsee und am Ufer einiger Inseln entlang.
Hinter Zarrentin fließt das Wasser in die Schaale und von da aus über die Sude in die Elbe.
Es war so heiß, dass wir am Schaalsee keinen Schaal tragen mussten. Ab ins Wasser!

Das Paalhuus ist ein Museum zum dazugehörigen Biosphärenreservat.

Wieder stößt man auf einen Radweg direkt neben der Straße. So kommt man schnell und sicher voran, trotzdem ist das auf Dauer etwas ermüdend.

Der Radweg folgt der Straße die Ostseite des Sees hinauf. Man kann auch nach rechts abbiegen und noch weiter vom See abschweifen, um sich weitere Dörfer anzusehen. Im Umkreis des Schaalsees liegen etwa Neuenkirchen, wo der Film Hände weg von Mississippi gedreht wurde, oder Salem, wo sich allerdings kein Luxusinternat befindet.

Nächste Station: Lassahn. Neben den üblichen Backsteinhäusern stehen hier auch Mietskasernen. Einst waren darin die Soldaten der DDR einquartiert, die schussbereit aufpassen sollten, dass niemand über den See floh. Die Dörfer wurden entweder dem Erdboden gleichgemacht oder eingezäunt, sodass niemand abends sein Haus verlassen durfte und Besuche nur in Ausnahmefällen genehmigt wurden.

Für den Nachmittag war ein Gewitter angesagt. Um nicht nass zu werden, zischten wir nur so durch Lassahn hindurch und weiter nach Kneese.
Obwohl... kalte Getränke? Na schön, diese Werbetafel hat uns dann doch zu einer Pause überredet, und zwar im Cafe Forsthof. Das ist ein Veggie-Hotel. Es wurde nämlich nicht aus Tieren erbaut, sondern aus Pflanzen, genau genommen aus Bäumen, also Fachwerk-Balken.

Diese Brücke markiert den Grenzübergang zurück in den Westen, diesmal ohne großes braunes Schild. Tschüß, Soli-Radwege! Nun gesellen wir uns wieder zu den Autos auf die Fahrbahn. Hurra.

Kalte Winde zogen auf, es donnerte bereits. Wir strampelten durch Wälder und Steigungen auf der Flucht vor dem Mistwetter, vorbei am nördlichsten Punkt des Schaalsees.

In Kittlitz haben wir uns schließlich in einem Haltestellenhäuschen versteckt. Auch hier gibt es Fachwerk, in dem man sogar herumklettern kann.

Geregnet hat es in Kittlitz aber nicht, also sind wir irgendwann wieder aufgebrochen. Der letzte Straßenabschnitt zurück nach Seedorf war klatschnass, dort hatte es offensichtlich gerade erst geregnet. Irgendwie war es uns mithilfe von Glück, exaktem Timing und einer Bushaltestelle tatsächlich gelungen, dem Gewitter komplett auszuweichen. Applaus!